Malta ist ein Ort, der Geschichten atmet. Zwischen den goldenen Mauern von Valletta, der kleinsten Hauptstadt Europas, hallen Jahrhunderte von Geschichte wider: Ritterorden, Seefahrer, Belagerungen und leuchtend blaue Buchten. Und doch verbirgt diese Stadt, trotz ihrer bescheidenen Größe, immer noch kleine Geheimnisse – Orte, an denen sich Geschichte und Gegenwart, Tourismus und Alltag, Stille und Bewegung begegnen. Einer davon ist der Upper Barrakka Lift, ein unscheinbarer, aber faszinierender vertikaler Weg, der das elegante Oberstadtplateau mit dem geschäftigen Grand Harbour Waterfront verbindet.
Ein Stück Ingenieurskunst zwischen Geschichte und Meer
Auf den ersten Blick wirkt der Aufzug modern – eine 58 Meter hohe Stahlkonstruktion, elegant und funktional, mit Glasfronten, die sich fast unauffällig in die Kalksteinmauern Vallettas schmiegen. Kaum jemand, der ihn sieht, vermutet, dass er eigentlich eine Wiedergeburt ist. Schon 1905 wurde an fast derselben Stelle ein Aufzug errichtet – damals aus Stahl und mit einem Hauch Belle Époque. Er brachte Reisende von den Hafenterminals hinauf zu den Upper Barrakka Gardens.
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Doch im Zweiten Weltkrieg, als Malta schwer bombardiert wurde, verfiel der alte Aufzug, wurde stillgelegt und schließlich 1983 abgerissen. Erst fast 30 Jahre später entschied man sich, dieses Bindeglied zwischen Meer und Stadt neu zu erschaffen. 2012 wurde der neue Lift eröffnet – eine moderne Konstruktion, die Geschichte ehrt, ohne sie zu imitieren.
Der Moment, wenn die Stadt sich öffnet
Wer in Valletta unterwegs ist, beginnt meist oben: in den engen, sonnenhellen Straßen mit ihren bunten Holzbalkonen, den winzigen Bäckereien, den Kirchenkuppeln, die zwischen den Dächern hervorblitzen. Der Upper Barrakka Garden, gleich neben dem Aufzug, ist ein klassischer Zwischenstopp – ein grüner Balkon über dem Meer, mit Blick auf den Grand Harbour und die „Drei Städte“ auf der anderen Seite.
Doch der wahre Zauber beginnt, wenn man sich dem Aufzug nähert. Das Summen der Gondel, das Klicken der Türen, der Luftzug, wenn sie sich schließt – und dann dieser kurze, aufregende Moment, in dem sich die Welt nach unten öffnet.
58 Meter in weniger als einer halben Minute. Glaswände auf drei Seiten. Vor einem breitet sich ein Panorama aus, das man von oben nicht wirklich begreift: die Bastionen der Stadt, die in den Hafen stürzen, die alten Werften, die Schiffe, die gemächlich ein- und auslaufen, das helle Blau des Mittelmeers, das an den Kaimauern glitzert.
Der Abstieg ist wie ein stiller, vertikaler Spaziergang durch die Zeit.