Unten am Wasser: das andere Valletta
Am Fuß des Aufzugs liegt eine völlig andere Welt. Hier unten, auf Höhe des Grand Harbour, mischt sich der Klang von Metall, Wasser und Stimmen. Früher war dies ein Ort für Arbeiter und Matrosen – heute hat sich die Waterfront in eine elegante Promenade verwandelt, ohne ihren industriellen Charme ganz zu verlieren.
Die restaurierten Lagerhäuser aus dem 18. Jahrhundert beherbergen jetzt Restaurants, Weinstuben und Boutiquen. Zwischen ihnen ziehen Kreuzfahrtpassagiere, Familien mit Kindern und Einheimische entlang. Es riecht nach Salz, gebratenem Fisch und frisch geröstetem Kaffee.
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Wenn man sich ein wenig abseits der Hauptpromenade hält, entdeckt man kleine Sitzplätze direkt am Wasser, wo Möwen auf den Geländern balancieren und die Sonne langsam über den Bastionen versinkt. Besonders am späten Nachmittag, wenn das Licht weich wird und die Mauern von Valletta in Honigtöne getaucht sind, ist dieser Ort ein Geschenk.
Der Weg zurück – oder: wie man nicht müde wird
Der Lift ist in beide Richtungen kostenlos, wenn man zuvor ein Ticket für die Fähre zu den Drei Städten kauft – was sich ohnehin lohnt. Viele Besucher nehmen die Fähre nach Vittoriosa oder Senglea, schlendern dort durch enge Gassen, probieren Pastizzi in kleinen Bäckereien und fahren am Abend mit dem letzten Boot zurück.
Doch wer lieber zu Fuß geht, kann den Aufzug auch separat nutzen. Für ein kleines Entgelt – kaum mehr als ein Espresso – gleitet man wieder nach oben und wird, fast lautlos, zurück in die Sonne und den Duft von Jasmin entlassen. Oben wartet erneut der Barrakka-Garten, mit seinen Bogengängen, Statuen und dem sanften Wind vom Meer.
Ein kurzer Weg mit großem Symbolwert
Der Upper Barrakka Lift ist nicht einfach nur ein Verkehrsmittel. Er ist eine Verbindung – zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen der Geschichte der Ritter und dem modernen Leben, das sich um den Hafen rankt.
Er erinnert daran, dass Valletta keine Stadt ist, die sich der Zeit entgegenstellt, sondern eine, die sie umarmt. Der Lift hat keinen prunkvollen Charakter, er will nicht beeindrucken. Er will einfach nützlich sein – und dabei schön, offen, funktional. Ein Stück Architektur, das zeigt, wie sensibel Malta mit seinem Erbe umgehen kann.
Kleine Tipps für den Besuch
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Beste Zeit: Frühmorgens oder kurz vor Sonnenuntergang, wenn das Licht weicher ist und der Blick auf die „Drei Städte“ besonders klar.
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Fotospot: Direkt vor dem Ausgang oben, leicht rechts vom Garten – dort öffnet sich die Perspektive ideal über den Hafen.
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Pause: Ein Kaffee im Upper Barrakka Kiosk lohnt sich. Von dort aus hört man manchmal die Saluting Battery, wenn um 12:00 Uhr die Kanonen abgefeuert werden.
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Abstecher: Nach der Fahrt hinunter lohnt ein Spaziergang entlang der Waterfront bis zum Fort St. Angelo, das die Geschichte der Insel auf erstaunlich ruhige Weise erzählt.
Ein stiller Held im Alltag der Stadt
Vielleicht ist das Schönste am Upper Barrakka Lift, dass er so unspektakulär spektakulär ist. Kein Wahrzeichen im klassischen Sinne, keine Touristenattraktion mit Souvenirshop – sondern ein kleiner, alltäglicher Luxus, der Valletta zugänglicher macht.
Er schenkt Zeit, spart Mühe, öffnet den Blick. Und erinnert daran, dass manchmal die kürzesten Wege die intensivsten Eindrücke hinterlassen.
Wenn man am Abend aus der Gondel steigt und durch die Bögen des Gartens tritt, rauscht der Wind durch die Palmen, irgendwo schlägt eine Glocke, und das Meer unten glitzert noch immer. Dann versteht man, warum so viele Reisende sagen: Valletta lebt zwischen Himmel und Wasser – und der Aufzug ist ihr stiller Übergang.