Lissabon ist eine Stadt, die sich mit ihrem unverwechselbaren Rhythmus in das Gedächtnis der Besucher einprägt. Über Jahrhunderte gewachsen, mit verwinkelten Gassen, unverhofften Ausblicken und jenen unverkennbaren gelben Trams, die sich wie mechanische Ziegen durch enge Kurven quetschen. Doch es gibt Ecken, die sogar regelmäßige Wiederkehrer übersehen. Eine dieser Besonderheiten ist ein Aufzug, der beinahe schüchtern zwischen Mauern und Treppen steht und zum Miradouro Santa Luzia hinaufführt – einem Aussichtspunkt, der nicht nur wegen seines Panoramas, sondern auch wegen seiner Atmosphäre geschätzt wird.
Wer das historische Viertel Alfama erkundet, merkt schnell, wie hügelig und unberechenbar die Topografie ist. Karten helfen da nur bedingt; oft führt ein Weg, der auf dem Papier logisch wirkt, in eine Sackgasse oder endet in einer steilen Treppe. Genau in diesem Chaos liegt der Reiz. Alfama ist eines der ältesten Viertel der Stadt, ein labyrinthartiger Rest aus maurischer Zeit, über dem die Burg São Jorge wacht. Der Duft von gegrilltem Fisch mischt sich mit Salznebel; irgendwo erklingt melancholischer Fado aus einem geöffneten Fenster. Man spürt, dass die Vergangenheit hier nicht verschwunden ist, sondern weiterlebt.
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Wer zu Fuß unterwegs ist, merkt schnell, wie mühsam die Höhenmeter werden. Nicht wenige Besucher brechen den Aufstieg ab, sobald ihnen bewusst wird, dass es kein einfacher Spaziergang ist. Genau hier kommt der „versteckte“ Aufzug ins Spiel. Viele gehen achtlos an ihm vorbei, weil er in einem unscheinbaren Korridor liegt, der eher wie ein Dienstweg aussieht. Ein verschlossener Blick genügt, um zu glauben, dass es ein privater Durchgang sei. Doch wer neugierig ist, wer sich traut, einfach mal genauer hinzuschauen, entdeckt die kleine Kabine, die einen in wenigen Sekunden nach oben bringt.
Der Aufzug gehört zum Komplex des Miradouro Santa Luzia und ist ein Teil jener stillen Infrastruktur, die Lissabon geschaffen hat, um den Alltag der Bewohner und die Bewegungsfreiheit der Besucher zu erleichtern. Anders als die berühmten Aufzüge wie der Elevador de Santa Justa kommt dieser ohne monumentale Inszenierung aus. Keine Warteschlangen, keine souvenirhungrigen Gruppen. Stattdessen sanfte, fast flüsternde Mechanik und eine spürbare Erleichterung, wenn man merkt, wie Treppenstufen plötzlich kein Thema mehr sind.
Oben angekommen, eröffnet sich ein Blick, der selbst abgeklärte Reisende zum Schweigen bringt. Unter einem breitet sich ein weites Stück des Tejo aus. Der Fluss wirkt hier fast wie ein ruhiger See, über dem die Sonne langsam tanzt und mit ihren Reflexen die Fassaden auf der gegenüberliegenden Uferseite aufhellt. Man erkennt die Dächer von Alfama mit ihren Terrakotta-Ziegeln, eng aneinandergeschmiegt wie Bücher in einem alten Regal. Wenn der Wind vom Wasser heraufzieht, kühlt er die Stirn und trägt den Geruch von Salz und Ferne mit sich.